Der Bergbau im S-charltal vom Mittelalter bis in die Neuzeit:
Geschichte 19. Jahrhundert  
K. Schleich, Zollikerberg


(Aus BK 40 2/1987)
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Anfangs des 19. Jahrhunderts wurde das Vorkommen in Scarl durch den Pächter des Silberberges (Davos) J. Hitz von Klosters, wieder bearbeitet.
Aus der Zeit von 1811 - 1828 sind eingehende Berichte vorhanden.
(K.B.Chur:B 1953) Aus diesen Berichten folgt:  
1811
Infolge des schlechten Geschäftsganges im Silberberg kam die Davoser Gesellschaft auf den Gedanken, den Bergbau in Scarl aufzunehmen.

2.10.1811. Verwalter Hitz schliesst mit der Gemeinde Schuls einen Vertrag ab, der der Gesellschaft gegen einen Zins von 165 fl. die Ausbeute der Erze auf 40 Jahre sicherte.

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Es kann hier ferner bemerkt werden, dass die Gewerkschaft zu Davos (unter Verwalter Hitz) den Grubenbau in Scarl bald nach ihrem Entstehen 1811, auf 80 Jahre gepachtet hatte, gegen ein Aufgeld von fl. 300 und jährliches Lehngeld von fl. 325, wohl hauptsächlich um einer Konkurrenz auszuweichen. Um indessen das Glück auch dort zu versuchen - wohl vorzüglich des Silbers wegen -, liess Verwalter Hitz im Anfang der 20er Jahre des Aufräumens zweier zu Bruche gegangener Stollen in "Unter Madleina" anfangen usw. und nebenbei alte Halden auskutten, wo er mehr Blei und Silber gewonnen haben soll, als in angestandenen Erzlagern. (PLATTNER, Placidus)
  1812 Vorkommen wurde durch Hitz und Bergmeister Landthaler untersucht. 140 Zentner Erz wurden nach Davos in Fässern geführt (von den alten Halden im Val del Poch). Infolge der schlechten Lage der Gesellschaft wurde aber weiter nichts unternommen.  
1814
Landthaler geht zum zweiten Mal nach Scarl. Genauer Bericht über seinen Befund, K.B. Chur: B 1953; Resultat:
Vorkommen abbauwürdig.  
1819
Hitz liess je einen alten Stollen auf Ober- und Untermadlein öffnen.  
1820
Diese Schürfarbeiten wurden fortgesetzt.  
1823
Ergiebigkeit des Silberberges in Davos liess dauernd nach. Viele Arbeiter die im Silberberg keine Arbeit mehr fanden, zogen mit ihren Familie nach Scarl. Anfänglich schien in Scarl genügend Erz vorhanden.  
1824
Aufnahme der Verhüttung in Scarl auf Blei und Silber. Machte anfänglich Schwierigkeiten.  
1825
Nach Behebung der Schwierigkeiten erreichte der Abbau seinen Höhepunkt.  
1826
Vorhandene Erzmittel abgebaut. Zahlreiche Versuchsbauten, die keine neuen Funde ergaben. Man war gezwungen, alte Halden aufzubereiten.  
1827
Keine Gruben mehr im Betrieb. Hitz geriet in Schulden. Werk hat nie mit Gewinn gearbeitet.  
1827
Im Juli des Jahres 1827 gerieth Verwalter Hitz in Konkurs, die Direktion in Davos ging an die ebenfalls betheiligten Gewerken Bürgermeister Albertini und R. Abys über.  
1828
Es tauchte ein französischer Hüttenmann auf, Terraillon, der nach Besichtigung von Scarl eine bessere Ausbeute für möglich hielt. Terraillon wollte Hitz verdrängen, die Bergwerke in seine Hand bekommen. Es gelang ihm Einfluss auf die Geldgeber von Hitz zu gewinnen. Dies war nicht schwer, da Hitz noch nie mit Gewinn gearbeitet hatte. Hitz bekam keine Kredite mehr.
  1829 Nach F. v. SALIS geriet Hitz 1829 in Konkurs. Über Terraillons weitere Unternehmungen ist nichts bekannt. Es ist jedoch anzunehmen, dass das Werk 1828 endgültig stillgelegt wurde. Der Bericht kommt zum Schluss, dass der Misserfolg des Hitz'schen Unternehmens mehr den beschränkten Mitteln, dem Mangel an örtlicher Erfahrung und den ungünstigen Umständen zuzuschreiben sei, als der Unbauwürdigkeit der Scarler Erzniederlage. Auch THEOBALD bemerkte "bei gutem Betrieb könnte noch Erz genug gewonnen werden".

ESCHER ist anderer Ansicht. Seine Untersuchungen haben an allen Stellen eine Verarmung festgestellt. Dazu kommen schlechte Verkehrslage, ungünstige Wegverhältnisse, keine genügende Kenntnisse im Hüttenwesen, Beschaffung der Baumaterialien (man war ganz auf die Umgebung von Scarl angewiesen). Dies bedingte, dass z.B. die aus Scarler Ton erbauten Schmelzöfen nicht die Qualität erreichten wie andernorts und demzufolge zu Verlusten führte.
 

1851 v. MOHR, CON. schreibt in einer Anmerkung in U.CAMPELL'S Werk:
Obschon für bauwürdig gehalten, liegen die Gruben dermalen doch verlassen. Im Jahre 1827 noch hat Landamman Hitz in einem Zeitraum von zwei Jahren gegen 600 Mark Silber und 700 Centner Blei und Silberglätte gewonnen. Zu SERERHARD'S Zeit (Mitte des vorigen Jahrhunderts) wurde kein Bergbau dort betrieben.
 
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  1853 RAUCH, J.O. Noch einmal begann im Jahre 1853 unter Leitung von M. Oberföll "dermalen Steiger zu Bellaluna" eine letzte Bergbauzeit, und die Gemeinde Scuol schloss mit einer belgischen Gesellschaft 1855 einen Pachtvertrag über die Bergwerke auf 150 Jahre ab, wobei für die ersten 5 Jahre Fr. 450.--und hernach 600.-- Pachtzins ausbedungen wurde. Man begann mit der Wiederinstandsetzung der Weganlagen und der Betriebsgebäude, besonders auf Obermadlain sowie mit dem Abführen der zurückgebliebenen Erze, aber ganz besonders mit der Zubereitung von sehr grossen Mengen Bau- und Zimmerholz.
  1856 Nach WALKMEISTER, der aus Manuskripten eines Prof. Deicke schöpft, bildete sich 1856 eine "Gewerkschaft Sesvenna", die die Ausbeutung der Erzvorkommen am Piz Cornet zum Ziele hatte. Nach THEOBALD scheiterte dieses Unternehmen an Administrationsschwierigkeiten und Prozessen. Damit finden die Bergbauversuche in Scarl ihr Ende. (ESCHER, A.)
  1856 wurde ein Ing. Joh. Jos. Grass aus Düsseldorf als "Direktor" nach S-charl berufen. Dieser verstand es, sich selbst eine allfällige Erzgewinnung in verschiedenen umliegenden Gemeinden vertraglich zu sichern, prozessierte dann gegen die Gesellschaft und verliess 1859/60 S-charl. Als dann der einzige, solidarisch haftende schweizerische Gesellschafter Sprecher aus Chur, genannt "Sprecher spaniöl", in Konkurs geriet, erklärte die Gemeinde im Jahre
  1862 den Pachtvertrag für aufgelöst und konnte sich, wenigstens teilweise durch Sequestrierung und Versteigerung der ansehnlichen Holzvorräte für den entgangenen Pachtzins schadlos halten.
  1864 nimmt ein Friedrich Racher ebenfalls aus Chur die Bergwerke auf 50 Jahre in Pacht, und zwar zu einem zeitlich gestaffelten Pachtzins von anfänglich Fr. 200.-- bis auf Fr. 800.-- jährlich. Doch auch dieser Vertrag musste wegen Nichtleistung des Pachtzinses 1866 für aufgehoben erklärt werden, worauf dann die Bergwerke im folgenden Jahr unter den gleichen Bedingungen an Prof. Florian Valentin in Chur verpachtet wurden. Der letzte Zinseingang dieses Pächters wird noch für das Jahr 1874 verzeichnet. Und ein letztes Mal interessiert sich noch um die Jahrhundertwende ein Ingenieur Rocco um die S-charler Bergwerke.
 
 
 

Eine (kölnische) Mark entsprach 233.86 gr Ag; demzufolge rund 140 kg Ag
            die Wiener  Mark hingegen  281 gr Silber, also  rund  169 kg Ag
 
 
 
 
 
 

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