1. Abbauperiode

1. Abbauperiode 1477 – 17. Jahrhundert

Eduard Escher:
1477 ging die Landschaft Davos aus dem Besitz von Gaudenz von Matsch an Herzog Sigmund von Österreich über; u. a. ,,mit allen besuchten und unbesuchten Bergwerken ob und unter der Erde». Wahrscheinlich gehörte auch der Silberberg zu den damals schon bekannten Erzvorkommen. Österreich besaß in seinen Gebieten in Graubünden das Bergregal. Um die Verleihung der Erzvorkommen an die Unternehmer zu regeln, wurde in Davos ein Bergrichter eingesetzt. Der erste aus dem Jahre 1513 urkundlich bekannte ist Ulrich Agten. Von den spätern Inhabern dieses Amtes sei nur der 1588 ernannte Christian Gadmer erwähnt, aus dessen Amtsperiode ein ausführliches Verzeichnis aller damals bekannten Gruben im Zehngerichtenbund (zu welchem Davos gehörte), dem Grauen Bund und dem Oberhalbstein, sowie ein die Jahre 1589 bis 1603 betreffender Teil eines Tagebuches, in welchem über die Verleihung der Gruben Buch geführt wurde, erhalten geblieben sind. Gadmers Verzeichnis, das aus dem Jahre 1588 stammt, zählt 17 Gruben am Silberberg (oder Praunpenz, Brombenz, wie diese Gegend auch genannt wird) auf, nämlich:

1. Inn Prunpentzenen Rüfenen, der alt Stollen am landtwasser bym bach ussen; St. Lucia.
2. Hie Innen beym Egg, auch am landtwasser: Zum hohen Kreutz.
3. Mitten in den Rüffenen: ad St. Trinitatem.
4. Die Schacht oben uff der Clufft: Zur Gottesgab.
5. Wasserpaw: Maximilian und Ferdinand (Tiefer Stollen ? ).
6. Von dannen bim bach uf ein alte ysen gruob: St. Matthias.
7-12. Von der wassergruoben den alten schachten nach hinauff: St. Jos, St. Daniel, Fuxloch, St. Geörgen, Paulsgruob underm Weg, St. Helena und
13. Die New Innfahrt ob dem Weg: St. Johann.
14. Der angefangen Stollen underm Weg im  Wald unnen: St. Lorenz.
15. Im Schwabenthobl by der großen Clufft im Khol; St. Barthlome.
16. By der Stuben: St. Nicolaus.
17.Zu Nechst herinnen ob dem Weg, Beim Silbergbach (Silberbergbach?): St. Chilian.

Die Bemerkungen ,,am landtwasser» bei den Gruben 1 und 2 zeigen, daß es sich hier kaum um Arbeiten am Blei-Zink-Vorkommen handeln kann. Ob alle andern der angeführten Gruben auf letzteres angelegt wurden, läßt sich nicht sicher entscheiden, da die Art des ausgebeuteten Erzes nirgends angeführt ist. Die Gruben 5-17 gehören ,jedoch ziemlich sicher dem eigentlichen Silberberg an, denn nimmt man an, daß Gadmers Nr. 5, Wasserpaw (Wasserbau), mit dem Tiefen Stollen identisch ist, so lassen sich von da ausgehend in verschiedenen, unter 7-17 angeführten Bauten alte Stollen am Silberberg erkennen. Gruben Grundriss. Mit dem bei den Gruben 11 und 13  angeführten ,,Weg» ist wahrscheinlich der Weg Monstein – Jennisberg gemeint, da sich zu dessen beiden Seiten die obersten alten Abbaue des Silberberges befinden.

Eduard Escher:
Seit Beginn des 17. Jahrhunderts ist folgendes über den Bergbau am Silberberg bekannt:
1605 bildete sich eine Gewerkschaft unter Vikar Johann von Salis, Peter Wägerich, Münzmeister in Chur, und Hans Empl zur Ausbeutung der Erzlagerstätten in Bünden; sie zerfiel jedoch bald infolge des Todes des Zweitgenannten. Eine neue Gesellschaft, bestehend aus v Salis, den beiden Plursern Nicolo und Octavio Vertemate – Franchi und Agostino Losio, die am 24. Juni 1607 in Plurs gegründet wurde, bebaute u. a. Silberberg und Bleiberg. Im Mai, Juni und November 1618 kam laut Rechnungen usw. von Vikar v. Salis  Erz vom  Silberberg nach Filisur, wo sich die Schmelze befand, ein Beweis, daß die Gesellschaft den Silberberg bearbeitete. Durch den Tod der Vertemate – Franchi beim Bergsturz von Plurs, 1618, zerfiel die Gewerkschaft und von 1619 an wurde in Filisur nicht mehr gearbeitet (KB. Chur: B 1893, B 1896). 1665 unternahmen Fluri  Fries von Chur, 1693 Dr. Philipp Heidegger von Zürich, derselbe der im Schams Erzverträge abschloß, Versuche, die Bergwerke von Filisur zu betreiben, jedoch ohne Erfolg.
SCHEUCHZER erwähnt 1706 ( S.367): ,,Auf Davos ist vor alter Zeit eine mächtige Arbeit geschehen und der Berg 400 Klafter tief ausgehauen, dergleichen sich in Bünden nirgends zeigt.“ Zu dieser Zeit hat demnach der Bergbau am Silberberg (die Bemerkung SCHEUCHZERS über die Ausdehnung zeigt, daß es sich um keinen andern Bergbau handeln kann) der Vergangenheit angehört. Im 18. Jahrhundert ruhte der Betrieb im Silberberg.

Literatur:

Brügger Chr.:  Der Bergbau in den X Gerichten. Jahresber. d. Naturf. Ges. Graubündens, N. F. XI. Jahrg., 1864/1865.
Escher Ed.:  Erzlagerstätten und Bergbau im Schams, in Mittelbünden und im Engadin. Beitr. Geol. Schweiz, Geotechn. Serie 18. Lieferung, 1935

W.Good 22.05.04

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